Olympische Nachlese

citius- altius- fortius

Coubertins olympische Nachlese

 

Montag, 22. August 2016

Komme beim Brötchenholen zum ersten Frühstück nach den Olympianächten an der, selbst in diesen olympischen Tagen vielfach unbeachteten Büste von Pierre de COUBERTIN in der Lichtenthaler Allee vorbei. Über seinem Gesicht liegt um diese Zeit noch ein tiefer Schatten.

Fragend, resignierend, verärgert, eher nachdenklich schaut er drein, der Baron. Gilt sein ernster Blick der gerade zu Ende gegangenen Olympiade?

Müßte es für ihn doch ein Januskopf mit zwei Gesichtern gewesen sein, von hehren Gefühlen, von eifrigem Wettstreit und der Faszination menschlicher Höchstleistung einerseits und den fragwürdigen Begleiterscheinungen eines Massenspektakels mit gigantisch übersteigerter Medienshow, von Korruption und hinterhältigem Betrug?

 

Coubertins Bemühungen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts die antiken Olympischen Agone wieder aufleben zu lassen, waren in erster Linie pädagogisch intendiert. Faßt man das Werk Coubertins zusammen, so basiert sein am Idealismus der Antike und an der Reformpädagogik der Jahrhundertwende anknüpfende  Erziehungskonzept für die Jugend der Welt auf folgenden drei Grundgedanken:

 

citius – altius – fortius

schneller – höher - stärker

 

1.   

Körperliche Ertüchtigung geht zugleich mit einer geistigen Bildung und charakterlichen Selbsterziehung einher:

„Je schneller der Körper, desto höher der Geist, desto stärker die Seele!“

Dieser Grundgedanke wird in der olympischen Folgezeit und deren massenmedienhaften Verbreitung auf die Formel schneller – höher – weiter  verkürzt und als Maxime für bloßes Streben nach Rekordmarken verfälscht.

 

2.

Der olympische Sport soll der Jugend der Welt als Anreiz und leuchtendes Vorbild dienen:

„Damit hundert ihren Körper bilden, ist es nötig, daß fünfzig Sport treiben, damit fünfzig Sport treiben, ist es nötig, daß sich zwanzig spezialisieren, damit sich zwanzig spezialisieren. Ist es nötig, daß fünf zu überragenden Gipfelleistungen befähigt sind.“

Mit Olympia werde der Jugend der Welt ein von gesunder Sportivität geprägter Lebensplan vorgestellt,  der durch regelmäßige Bewegung und körperliche Ertüchtigung ein Schutzschild bilden soll gegen die Gefahren körperlicher Verweichlichung und  genüßlichen  Verführungen des prae-industriellen Wohlstandes, jenseits von falschem Ehrgeiz und rücksichtslosem Profitstreben.

 

3.

Wie einst der „Götterfriede des antiken Olympia“ soll der friedliche Wettkampf der neuen Olympischen Bewegung ein Zeichen und ein Mittel zur Völkerverständigung sein und dazu beitragen, der Menschheit den Weltfrieden näher zu bringen.

 

Doch auch dieser coubertinsche Impetus, vor genau 120 Jahren in Athen erstmalig mit einem so hoffnungsvollen Auftakt begonnen, wird auf dem Weg vom Heiligen Ölzweig bis hin zu Olympischem Gold schon früh missverstanden, verfälscht und korrumpiert.

So scheint es, als sei in der Frage des vielfach geduldeten oder gar staatsfördernden  Dopings der Kalte Krieg wieder ausgebrochen.

 

 

„Dabei sein ist alles!“

 

In diesem Zusammenhang bleibt zu fragen, in wie weit der vielfach propagierte und auch in den Massenmedien wiederholt zitierte, angeblich auf Coubertin  zurückgehende Slogan: „Dabei sein ist alles!“, in den Köpfen der Athleten einem bedenkenlosen Umgang mit unerlaubten und unlauteren Mitteln Vorschub leistet.

Dabei sein ist Alles!“, diese Aussage, in den Schriften und Reden von Coubertin nicht auffindbar, ist nicht nur eine historische Fälschung, sondern auch eine Verwässerung der Coubertin´schen Maxime seiner >Pédagogie sportive<,

von der Idee besessen, das Streben nach persönlicher Bestleistung könne imstande sein, zu innerer Selbstzucht und Toleranz gegenüber dem Mitstreiter zu führen. Deshalb lautet auch der in der deutschen Übersetzung immer wieder falsch zitierte Grundsatz bei ihm richtig:

 

>L´important dans la vie, ce n´est point le triomphe mais le combat; l´essentiel, ce n´est pas d´avoir vaincu mais de s´être bien battu.<

(in: Coubertin, P. de: L´idée Olympique, discours et essais)

„Das Wichtige im Leben, das ist keineswegs der Triumpf, sondern der Kampf; das Wesentliche ist nicht, gesiegt, sondern sich gut geschlagen zu haben.“

 

 

„The games must go on!“

 

Auch, wenn in Zukunft trotz der existentiell bedrohenden Schatten, die sich über den Glanz von Olympia ausbreiten, der Entschluß von Evary Brundage weiter gelten wird: „The games must go on!“,so bleibt im Sinne ihres Urhebers festzuhalten:

Nicht erst mit Rio 2016, sondern bereits 1936 haben die Olympischen Spiele, wie sie COUBERTIN ins Leben rief, auf Grund persönlicher Unlauterkeit, politischer Instrumentalisierung und kommerzieller Ausbeutung längst aufgehört, real zu existieren.
Während ich mit diesem Gedanken schließlich an seinem Standbild vorüber und weiter in Richtung Augustaplatz gehe, habe ich das Gefühl, Coubertin habe mir nachgeschaut,  als wolle er mir ein Lächeln schenken, mir, dessen Erziehungsgedanken ich, wenngleich ohne Lorbeerkranz und Medaille, ein sportiv erfülltes Leben verdanke.

 

r.e. Rudolf Engel

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Kommentare: 6
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